4. Allerlei zauberkundiges Volk

231. Die Kunst, sich unsichtbar zu machen, verstanden einst viele. Besonders die Wilschützen verschrieben sich oft dem Teufel, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können, und entkamen durch das Unsichtbarmachen immer wieder dem Jäger. In der Mondseer Gegend lebte ein als Wildschütze berüchtigter alter Auszügler. Einst verfolgte ihn ein junger Jagdgehilfe, der Wildschütze war aber plötzlich vor ihm verschwunden, er hatte sich in einen frischen Fichtenstock verwandelt. Der Jäger setzte sich auf diesem Holzstock auf die lauer und schnitt sogar seinen Rolltabak darauf. Hätte er das Messer in den Stock gestoßen, hätte er den Wilderer getroffen.

232. Ein Wilderer im unteren Mühlviertel wurde vom Förster auf frischer Tat ertappt und verwandelte sich in einen Baumstock. Der Förster wußte nicht, wohin der Wildschütz gekommen war und setzte sich auf den Stock, um seine pfeife zu putzen und anzuzünden. Dabei stieß er nach alter Gewohnheit den Pfeifenstierer in den Stock, um ihn rein zu bekommen. Unverrichteter Dinge ging er dann nach einiger Zeit nach Hause. Der Wilderer erzählte später, das Hineinstoßen des Stierers habe ihn sehr geschmerzt.

233. Ein Ebenseer Wilderer wurde von Jägern hart verfolgt. Er verwandelte sich in einen Baumstock und die Jäger liefen ahnungslos an ihm vorbei. Zum Andenken an seine Rettung siftete der Wilderer die Steinwendkapelle in der Kohlstatt.

234. Auch in Pfleg bei Grieskirchen verwandelte sich ein verfolgter Wilderer in einen Baumstrunk. Ahnungslos rastete auf diesem der Jäger und aß Brot und Speck zum Frühstück. Der Wilderer hatte eine Heidenangst, daß er dabei sein Messer in den Baumstrunk stecke.

235. Kalchgruber, der Bauernadvokat, konnte sich ebenfalls unsichtbar machen. In der Weiglmühle hörten einst seine Verfolger seine Uhr ticken, ihn selbst aber fanden sie nicht. Ein anderesmal verwandelte er sich vor ihnen in eine Baumstumpf. Ein Jäger rastete auf dem Strunk und stieß dabei den Pfeifenräumer ins Holz. Er fügte dadurch Kalchgruber eine Verletzung am Fuß zu.

236. Ein leidenschaftlicher Wildschütze goß sich in der Thomasnacht an einem abgelegenen Kreuzweg bei Henhart Freikugeln. Aus dem Bannkreis, den er gezogen hatte, suchte ihn der Teufel herauszulocken. Zuerst fuhr ein großer Heuwagen gegen den Kreis, dann unter furchtbaren Getöse ein Wagen mit feurigen Rappen und schließlich ein wilder Eber. Der Wildschütze ließ sich aber nicht stören und goß die Zauberkugeln fertig, den Kreis verließ er erst, als die erste Morgenglocke läutete. Der Wildschütze verfehlte nun kein Tier und konnte sich außerdem vor den Jägern unsichtbar machen. An einem Sonntagmorgen schoß er einmal einen Rehbock und begann ihn auf der Stelle auszuweiden. Da läutete eine ferne Kirche zur Wandlung. Der Wildschütze nahm den Hut ab und bekreuzigte sich, da sprang der Bock auf und verschwand. Von der Stunde an ging der Wildschütze in sich, er vergrub seine Zauberkugeln im Walde und wurde ein frommer Mensch.

*237. Unfehlbare Kugeln kann man erlangen, wenn man in einer Rupertinacht auf den Schieferstein geht; um Mitternacht zeigt sich dort in dieser Nacht ein Zwanzigender, den muß man schießen, ihn sogleich aufbrechen und drei Kugeln ins Herz drücken, dann geht kein Schuß fehl. Von bösem Rat verleitet, wagte einst ein Jäger den Gang. Er sah zwar den weißen Hirschen, ehe er aber zum Schuß kam, lief ihn der Hirsch ungestüm an und stürzte ihn in die Tiefe. In der Felsbildung des Schiefersteines ist seither die Gestalt des versteinerten Jägers und seines Hundes zu sehen.

238. An den Abhängen des Kranabetsattels arbeitete ein Holzknecht, der unter seinen Kameraden als Zauberer galt. Um dem abendlichen Beten in der Holzstube zu entgehen, machte er täglich den weiten Weg nach Mühlbachberg heim. Kaum hatte er ein paar Tritte von seinem Arbeitsplatz weg gemacht, so verschwand er und ging schon im nächsten Augenblick seinem Hause am Mühlbachberg zu. „Då war koan Weg z’weit, då  war ma bål dahoam“ sagen die Leute heute noch in Erinnerung an den Holzknecht. Eines Tages warfen die Holzknechte beim Mittagessen die Frage auf, ob einem gläubigen Hause geschadet werden könne. Der Zauberer wurde um seine Meinung angegangen: Sein Ausspruch lautete: „Einem gläubigen Haus kann der Teufel leicht schaden, einem ungläubigen aber schwer, weil er seinen Anhängern nichts Böses tun darf.“ Um es zu beweisen, schlug er seine Hacke in den Hackstock und legte seinen Hut unter den Hackenstiel. Sodann forderte er die Holzknechte auf, ein Bauernhaus zu nennen und eine bestimmte Kuh in dessen Stall. Es geschah und der Zauberer begann aus dem Hackenstiel Milch zu melken, daß der Hut bald voll war. Es war ein frommes Haus genannt worden, daher konnte ihm der Zauberer schaden. Als die Holzknechte als zweites Haus das eines ungläubigen Bauern nannten, mißlang der Versuch, der Zauberer konnte dem Bauern nicht an. Von da an fürchteten die Holzknechte ihren unheimlichen Kameraden und nannten ihn den „Zerrissenen“. Nach einer anderen Fassung konnte der Zauberer nur Unfrommen an.

239. In der Franzosenzeit war der Wildschütze Hans Oraffer ein gefürchteter Zauberer. Erblickte er einen Jäger, zog er den Rock aus schlug mit seinem Haselstecken, den er immer bei sich hatte, auf ihn, dazu sagte er geheimnisvolle Worte. Die Prügel trafen den Jäger. Der Oraffer verstand auch das Angfrern.
Oraffer fand im Grabe keine Ruhe, bis er vom Pfarrer Kogler von Ranariedl, dem berühmten Geisterbanner, erlöst wurde.

240. Ein Knecht in Gramastetten lebte mit einem anderen Knecht in Feindschaft. Eines Tages sah er den Gegner auf dem nachbarlichen Feld ackern und sagte: „Dem will ich den Buckel anfüllen!“ Der Bauer suchte ihn zu beruhigen. Er solle doch nicht von der Arbeit weglaufen. „Das brauche ich nicht!“ sagte der Knecht. Von einer Erle am Rain schnitt er eine Rute ab und hieb mit ihr in einen Ameisenhaufen. Bei jedem Hieb fuhr der andere Knecht zusammen und schrei laut auf, denn er traf ihn. Der Knecht soll mit dem Teufel im Bund gewesen sein.

*241. Daß die Flößer die Kunst des Fernprügelns verstehen, erfuhr einst der alte Nußbaumer in Steinhaus. Einmal rief er einen Flößer an, der über seine Wiese ging, und machte ihn aus. Der zog seinen Schamper aus und schlug auf ihn los. Die Hiebe aber bekam der Nußbaumer ab.

*242. Im achtzehnten Jahrhundert lebte in der Grünau der „wilde Jodl“, ein Wildschütze, der mehr konnte als Birnen braten. Unter anderem besaß er Macht über das Feuer. Als er einst nicht daheim war, wollte man seine Hütte anzünden; das Holz, das man rundherum gelegt hatte, verbrannte, die Hütte aber blieb verschont. Als auf dem Salm ein Waldbrand schon vier Wochen tobte und sich noch weiter ausbreiten wollte, rief man den Jodl. Er verlangte, daß man keine weiteren Rettungsversuche mache und ihn ganz allein auf dem Berg lasse. Es geschah und in kurzer Zeit war das Feuer vorbei.

243. Während der Ellbogner in Kleinmünchen war, brannte es daheim in seinem Haus in Bergen. Er nahm auf die Nachricht hin eine Teller, schrieb etwas darauf und sagte: „Was brennt, soll brennen!“ Er meinte damit, das Feuer solle nicht weitergreifen, und wirklich breitete es sich nicht weiter aus.

*244. In einem Mühlviertler Ort brach ein Brand aus, alle Hilfe war vergeblich. Da sprach ein Bauer auf Verlangen der Leute und mit Einwilligung des Pfarrers den Feuersegen. Er zog das Feuer nach sich an einen anderen Ort, wo es aus Mangel an Nahrung nicht mehr um sich greifen konnte und leicht gelöscht wurde.

*245. Nach der Meinung des Volkes besaßen die Zigeuner und Wurzengraber Macht über Feuer, Sturm und Wasser. zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurde in Obernberg der Wurzengraber Hansel von Geinberg eingezogen. Zu Genossen hatte er lauter Leute, die sich von dunklen Künsten nährten: den Zigeuner Lorenz, die Zigeunerin Waldburga, den Wurzengraber Jackel.

*246. Als es einst in Mondsee brannte, setzten sich die Wurzenmänner mit kleinen Sechtern auf das Dach ihrer Hütte und blieben ruhig sitzen. Ihren Hütten geschah nichts, mehrere gemauerte Häuser aber konnten nicht gerettet werden.

*247. Ein Mühlviertler Bauer behielt einen Zigeuner über Nacht; zum Danke versprachen sie ihm, sein Haus werde nicht abbrennen. Sie machten Feuer auf der Tenne und sotten und brieten in Holzgefäßen ohne daß diese Feuer fingen. Sogar einen Halm verbrannten sie aus einem Schaub Stroh, ohne daß es zu brennen anfing.

*248. In Regau brannte einst die Kirche ab, der brennende Turm stürzte in den Hof des benachbarten Bauernhauses, ohne daß ein Schaden entstand. Im Stadel hatten die Zigeuner, wenn sie in die Gegend kamen, ihr Quartier und hatten zum Danke das ganze Haus feuerfest gemacht.

*249. In Windischgarsten ist, wie eine Handschrift meldet, ein Kaufmannshaus beim Brande 1728 nicht abgebrannt, weil hier ehevor Zigeuner behalten wurden und zum Lohn versprochen hatten, das Haus nicht abbrennen zu lassen.

250. Im Gasthaus zum „Erzherzog Albrecht“ in Windischgarsten fanden einmal Zigeuner Unterkunft. Zum Danke erklärte eine alte Zigeunerin, man solle den im Hause befindlichen Herd in Ehren halten, er beschütze das Haus vor Feuer. Von dem Tag an hieß der Herd Zigeunerherd. Ein späterer Besitzer spottete darüber und ließ den Herd abbrechen. Tags darauf brach im Hause Feuer aus; die Ursache kam nicht auf.

251. Eine Frau ging auf der Straße nach Hagenberg. Wo jetzt die Kapelle am Wirtsberg steht, begegnete ihr eine Zigeunerin und verlange zehn Gulden. Die Frau hatte das Geld nicht, die Zigeunerin drohte ihr, in neun Tagen werde sie der Blitz treffen. Die Frau ging ruhig weiter, nach neun Tagen wurde sie aber an derselben Stelle von einem Gewitter überrascht und von einem Blitze getötet.

252. In Unterweißenbach weissagte eine Zigeunerin einem Ehepaar, ihr kleines Kind werde an seinem dritten Geburtstag von einem Pferd erschlagen werden. Die Alten hüteten nun ihr Kind ängstlich, am dritten Geburtstag durfte es überhaupt nicht aus der Stube. Da fiel ein Bild, das ein Pferd darstellte, von der Wand und erschlug das Kind.

*253. Als die Leute einmal in Steinerkirchen i. T. Har zettelten, kamen Zigeuner vorbei, lachten jauchzten und klatschten in die Hände. Als man nach der Retz den Har heben wollte, kam plötzlich bei heiterem Himmel ein Sturm und entführte ihn. Das hatten die Zigeuner getan.

254. Früher zogen oft Gesellschaften von Ort zu Ort und zeigten ihre Künste. Das Pferd eines Zauberkünstlers stieg einmal über die Stiege eines Gasthauses in Naarn in den oberen Saal.

255. Solch eine wandernde Gesellschaft kam einst auch nach Naarn, unter ihr befand sich ein Mann, der den Leuten die verschiedensten Zauberkünste vormachte. Gerade stellte er einen großen schweren Wiesbaum auf das Kinn und hielt ihn im Gleichgewicht. da fuhr ein Weib mit einem Radelbock voll Klee vorüber, unter dem ein Vierblattler war, ohne daß die Frau es wußte. Daher konnte sie alle Zauberkünste durchschauen. Lachend rief sie: „Der hat einen Strohhalm am Kinn.“ Der rief zornig: „Ihr steht ja alle im Wasser!“
Der Mann hatte wirklich Wasser hergezaubert und die Frau mußte mit ihrem Radelbock durch das Wasser heimfahren.

*256. Anderswo führten einmal Seiltänzer ihre Künste vor. Einem Weibe aber hatte jemand heimlich einen vierblätterigen Klee in die Schuhe gelegt und erkannte nun das ganze Blendwerk. Die Tänzer gingen gar nicht auf dem Seil, der Wurstel hielt nicht einen Wiesbaum, sondern einen Strohhalm im Munde. Aus Rache taten es ihr die Tänzer an, sie hatte vermeintlich plötzlich im tiefen Wasser zu waten.
Nach einer anderen Erzählung war es ein Mädchen, das einen Korb und dem Kopfe hatte, in dem sich ein vierblätteriger Klee befand.

257. Ein Zirkusmann zeigte seine Kunst in Gallspach. Er klammerte sich an eine aufrecht stehende Leiter. Um seine Schultern wurde ein Ledergurt mit Eisenhaken befestigt, ein Paar Pferde wurden angespannt, die ihn von der Leiter ziehen sollten. Er aber vermochte das Gespann anzubannen, so daß es ihn nicht wegbrachte. Ein Gallspacher, der sehr viel konnte, löste aber den Bann. Die Pferde brachten den Zirkusmann mit Leichtigkeit von der Leiter, dabei wurden ihm Arme und Schultern verrenkt, daß er zwanzig Wochen im Spital bleiben mußte. Als er lange nachher wieder in Grieskirchen auftrat, schlug er vorher ein Kreuz, er zitterte und bebte am ganzen Leib. Diesmal konnten ihn selbst die schweren Pferde des Welser Boten nicht wegbringen.

258. Hirten, Jäger und Viehschneider konnten sich durch gewisse Kräuter gegen Hiebe und Stiche festmachen, sie schützen sich durch Zauberbücher gegen Angriffe.
Die Zauberer hatten gewöhnlich einen Stab oder eine Zauberrute. Sie brauchten vielerlei Sachen: Menschenknochen, Friedhoferde, Schlangenaugen, besondere Kräuter und dergleichen.
Zauberer und Neusonntagskinder konnten auch Schätze feststellen.

259. Bei Scharnstein wurden Burschen in der Franzosenzeit von zwei Franzosen angehalten und gerieten mit ihnen in Streit. Ein Bursche, der mehr als andere konnte, nahm ein Zweiglein vom Weg und erschlug mit ihm den einen Franzosen, der andere lief davon. An der Stelle befindet sich heute eine Kapelle zwischen zwei Linden.

260. Der Ortmaier in Holzhausen konnte zaubern. Er hatte um sein Haus einen Teich, nur eine Brücke führte darüber ins Haus. Als die Franzosen kamen, wußte er durch einen Zauberspruch ihr Eindringen zu verhindern. Eines Tages aber kam eine Zigeunerin, oder wie es auch heißt eine Französin, und löste den Zauberspruch auf. Jetzt konnten die Franzosen ins Haus eindringen, schleppten Ortmaier zu einer Straßenkreuzung und erschossen ihn dort. Seine Nachkommen stellten ein Kreuz, das früher beim Haus stand, am Mordplatz auf. Es kehrte aber in der Nacht an seinen früheren Platz zurück.

261. Ein Bauer bei Scharten, der was konnte, zauberte beim Franzoseneinfall, als die Franzosen schon bei seinem Haus waren, ringsherum ebenfalls Wasser, so daß alle ertranken. Eine Zigeunerin kam in das Haus und bannte ihm den Zauber. Und als später die Franzosen abermals kamen, war er wehrlos. Sie banden ihn an den Schweif eines Pferdes und schleiften ihn zu Tode.

262. Ein Mann in Kirchstetten bei Oftering verstand die Kunst, den Pferden die Kraft zu nehmen. Als er einmal mit einigen seiner Freunde durch die Felder ging, liefen ihm deshalb mehrere Männer mit Hacken nach. Während seine Begleiter davonliefen, ging er ruhig weiter. Die Männer erreichten ihn und schlugen mit den Hacken nach ihm. Als er wieder zu seinen Freunden kam, hatte er aber keine Wunde an sich.

263. Beim alten Strobl in Außerungenach erhielten einst Zigeuner ein Nachtlager in der Scheune. Um den Bauer zu erschrecken, zündeten sie auf der Tenne ein großes Feuer an und kochten da ihr Nachtmahl. Der Bauer ging ruhig um eine „Reitern“ und brachte in ihr Wasser in die Scheune mit den Worten: „Da bring ich euch Wasser, damit ihr das Feuer löscht, wenn ihr abgekocht habt.“ Da wußten die Zigeuner, daß er noch mehr könne als sie und schauten, daß sie weiterkamen. Dasselbe Stücklein wird von einem Bauern in St. Pantaleon erzählt.
Der alte Strobl soll auch ein Zauberbuch gehabt haben. Von einem Bauern in Hartberg, Pfarre St. Pantaleon, geht dieselbe Sage.

*264. Ein alter Mann in Eberstallzell konnte „Schlösser aufblasen“. Er sagte einen Zauberspruch und blies in das Tür- oder Kastenschloß, bis es aufsprang. Den Spruch hielt er geheim.

*265. Ein Kaufmann hatte sein Geschäft mit wenig Geld angefangen, kam aber schnell zu Wohlhabenheit. Die Leute sagten von ihm: „Er hat seine Budel mit Lappen vom Kleide eines Erhängten abgewischt.“

*266. Ein Wurzengraber verstand es, wenn er einkaufen ging, mit einem Geldstück alles Geld, das sich im Kaufladen befand, an sich zu bringen. Daher wollte ihm kein Krämer mehr etwas verkaufen.

267. Von der Maurer Liesel in Altmünster hieß es, daß sie aus einer vom Felde gestohlenen Garbe zwanzig andere machen konnte; obwohl sie kein Einkommen hatte, fütterte sie immer Schweine und hatte viel Geld.

268. Zwei Männer kamen zu einem Gasthaus, in dem eine lustige Hochzeit gehalten wurde. Der eine hatte einen Ring und sagte zum anderen: „Schau durch, wenn du die Tänzer sehen willst!“ Der andere wollte aber nicht, da sah der Mann mit dem Ring selbst durch und sagte: „Ich sehe auf dem Tanzboden die Leute herumtanzen, aber jedem Paar springt auf der Achsel ein Teufel herum. Noch heute geschieht ein Unglück, weil die Leute so lustig sind.“ Am anderen Tag kam die Botschaft, daß sie den Bräutigam erstochen hatten.

269. Die Franzosen, die in den Franzosenkriegen ins Land kamen, hatten eine besondere Kunst, Schätze zu finden. Ein Bauer hatte seine Barschaft in einem Starhäusel versteckt, aber die Franzosen zogen ihren Weltspiegel hervor und fanden sogleich den Schatz.

270. Am Riedl bei St. Stephan im Mühlkreis lebte ein Weber mit seiner zahlreichen Familie in großer Not. Trotzdem nahm er in einer stürmischen Winternacht einen reisenden Handwerksburschen zu sich auf und teilte sein karges Abendbrot mit ihm. Zum Danke lehrte ihn der Bursche am nächsten Morgen verschiedene geheime Künste. Er durfte sie aber erst ausüben, als der Handwerksbursche gestorben war.

*271. In Wildenau versagte eine wohlhabende Frau einem Handwerksburschen die übliche kleine Gabe. „Du wirst an mich denken!“ sagte der Bursche. Bald darauf war die Frau voll Läuse, kein Mittel half, doch verloren sie sich nach neun Tagen von selbst.

*272. Ebenso zauberte eine Zigeunerin einer Schneiderin, die ihr Milch verweigert hatte, rote Läuse an. Die Nachbarin befreite sie dadurch, daß sie drei von diesen Läusen in einen Federkiel verschloß und ihn dann ins Feuer warf. Da verschwanden die anderen Läuse von selbst.

*273. Ein Meister schickte seinen Lehrbuben mit einer Mitteilung zu einem Holzmacher. Der aber war über die Botschaft böse und tat es dem Jungen an. Als der Bub heimkam, strotzte er von Läusen. Der Meister ließ ihn dreimal das Hemd wechseln, gab dann drei Läuse in einen Federkiel und hing ihn in den Rauchfang. Da verschwanden die Läuse.

*274. Der Linzer Bote kam einmal ins Kremsmünsterer Haus in Linz, sein Schnappsack war voll roter Läuse, die ihm jemand angehext hatte. Er vergrub den Sack unter den Mist.

*275. Einem alten Weiblein in Ranshofen hexte eine böse Nachbarin die Krätze an, indem sie den Namen des Weibleins auf einen Zettel schrieb und diesen in einem Glasröhrl in einen Ameisenhaufen vergrub.

276. Ein Leinenhändler aus Traberg kam mit seiner Ware durch das untere Mühlviertel. Andere sagen, es war ein Arbeiter aus Oberneukirchen, der zur Weinlese nach Niederösterreich wanderte. Er übernachtete in einem Bauernhaus in Lasberg und hatte einen verdächtigen Stock bei sich, in dem geheimnisvolle Zeichen eingeschnitten waren. Als er am nächsten Tag schon wieder weitergewandert war, wurde in diesem Bauernhaus eingebrochen. Der Verdacht fiel auf den Mann und er wurde gefangen genommen, obwohl er seine Abwesenheit nachweisen konnte. Als man bei ihm auch noch eine Alraunenwurzel fand, verstärkte sich der Verdacht. Man setzte ihn hinter Schloß und Riegel und gab ihm in die Speisen geweihtes Salz, damit ihn der Teufel nicht entführen könne. Beim peinlichen Verhör gestand der Mann, daß ihn der Böse als schwarzen Ziegenbock nach Lasberg gebracht hatte, damit er den Diebstahl verüben könnte. Das Urteil wurde gesprochen und der Mann verbrannt.

277. Der Glaserer Lippl in Gallspach war ein recht merkwürdiger Mann. Er war verwegen und gewohnt, bei der Arbeit zu fluchen. Einst tat er es wieder bei der Arbeit im Hochhölzl. Im ganzen Holz begann ein furchtbares Sausen, während außerhalb des Hochholzes sich kein Wind rührte. Lippl blieb aber gelassen und sagte: „Fahr, Teufel, Fahr! Er soll nur fahren, bis es ihm zu dumm wird.“ Der Spuk dauerte bis Mitternacht, dann wurde es ganz stille.

*278. In Freistadt nahmen einst die Ratten und Mäuse so überhand, daß man keinen Rat wußte. Ein „Halter“ trug sich an, das Geschmeiß zu vertreiben. Er stellte sich auf den Hauptplatz und blies in ein Horn. Aus Kellerfenstern und Mauerlöchern kamen die Ratten und Mäuse herzugelaufen. Als genug beisammen waren, verließ er blasend die Stadt, das Ungeziefer folgte ihm. Er führte den Zug vor die Stadt zum Teich und watete hinein, so weit er konnte, die Tiere schwammen ihm nach. Endlich hörte er auf zu blasen, die Ratten und Mäuse ertranken alle.

279. Als Ischl einmal arg von Ratten geplagt war, erbot sich ein wandernder Handwerksbursche gegen Belohnung, die Ratten zu vertreiben. Mit seinem Stocke machte er geheimnisvolle Bewegungen, da kamen die Ratten scharenweise aus ihrem Versteck hervor, der Bursche bestieg eine Plätte, die Ratten schwammen ihm nach. Bei Ebensee sprangen sie ans Ufer. Seither hatten die Ischler Ruhe.

280. Einem Bauer am Attersee wurde jede Nacht das Vieh ledig. Er konnte sich nicht mehr helfen und wandte sich an ein altes Weib in Aich bei Nußdorf, die eine Wahrsagerin war. Sie sagte ihm, wenn es zwölf Uhr läute, werde die Person, die das Vieh loslasse, zum Fenster neben dem Brunnen hereinschauen. Es war die Magd des Hauses.

281. In Auholz bei Grieskirchen lebte ein Anbraucher namens Amesberger. Bei der Holzarbeit hatte sich ein Bauer die große Zehe entzweigehackt, die Wunde ließ sich nicht stillen. Amesberger kam gerade daher, murmelte einen Spruch und fuhr mit dem Daumen über die Wunde. Sogleich hörte sie zu bluten auf und der Bauer konnte wieder in den Stiefel schlüpfen. Als er ihn abends wieder auszog, war keine Spur von Blut mehr zu bemerken. Einer Frau wendete der Mann das Zahnweh, das spurlos verschwand.

282. Der Spanner Peter auf der Heid bei Haslach war ein weit bekannter Wender. Seine Kunst hatte er nach der Meinung der einen von Zigeunern, nach der Behauptung der anderen vom Teufel, der ihm nachts immer mitteilte, wer am nächsten Tag zu ihm kommen werde und was ihm fehle.

283. Ein Kraner hatte Steckerl mit merkwürdigen Zeichen bei sich, sie verhinderten, daß ihm etwas gestohlen wurde. Bei einem Kirchtag ging er einmal in die Kirche und ließ seine Tasche mit einem solchen Steckerl heraußen liegen. Als er zurückam, hatte zwar einer die Tasche genommen, konnte aber nicht von der Stelle. Er war angebunden.
Einmal kam er nach Steinhaus und sah in einem Bauernhof ein Pferd, das eine Geschwulst am Fuß hatte. Alle Mittel dagegen waren fruchtlos. Der Kraner stieg von der Gret in den tiefen Hof hinab, schnitt ein Fleckerl aus dem Rasen, wobei er einige Worte murmelte, dann legte er das Fleckerl umgekehrt auf die Wiese. Ein paar Tage drauf war die Geschwulst verschwunden.

284. Ein Rauchfangkehrer zu Schwertberg stand im Ruf, geheim Künste zu verstehen. Zu ihm kamen die Leute um Hilfe gegen Teufels- und Hexenwerk. Als einmal in einem Bauernhause in Niederleiten das Vieh im Stalle keine Nacht zu beruhigen war und kein Kalb aufkam, ging der Bauer zum Rauchfangkehrer. Der fragte sogleich, ob er in letzter Zeit einen neuen Grund gekauft habe. Auf die Bejahung erwiderte er: „Da haben wirs, der Neid ist schuld“ Er gab dem Bauer einen Brief, den solle er uneröffnet über den Heustock tragen und dann im Herde verbrennen. Ebenso solle er bei der Heuernte von jedem Fachtl von der gekauften Wiese ein Büschel im Herde verbrennen. Der Bauer tat es und das Mittel half.

285. Der Hochfeldbauer in Strobl konnte mehr als andere Leute. Einst ließ er Zigeuner in einer Scheune übernachten. Als sie fragten, wo sie Feuer anmachen konnten, sagte er: „In der Scheune!“ Und als sie meinten, diese sei feuergefährlich, sagte er: „Macht nichts!“ Sie taten es und obwohl daneben trockenes Heu lag, fing es nicht Feuer. Als die Zigeuner um Wasser fragten, brachte es ihnen der Bauer in einer Reiter, ohne daß ein Tropfen durch das Sieb sickerte. Einmal wollte ein als ränkesüchtig bekannter Fuhrknecht dem Hochfeldbauern etwas antun und zog vom Wagen des Bauern einen Achsennagel heraus, damit es einen Unfall gebe. Der Bauer merkte es aber am Morgen, nahm das Rad ab, zählte an den Speichen nach vorne und rückwärts und schlug mit einer Hacke eine Speiche durch. Um dieselbe Zeit verunglückte der böse Knecht. Infolge eines Speichenbruches stürzte sein Wagen, der Knecht brach sich beide Füße.
An einem Wochentag einmal verlangte der Hochfeldbauer von der Bäuerin, sie solle für die Kasträger einen Schmarrn machen. Obwohl sie sage, heute kämen ja keine von der Alm, gab er nicht nach. Und richtig, kaum war die Bäuerin fertig, kamen die Kasträger zur Tür herein. Sie hatten den Käse in der Nacht auf der Alm gestohlen, der Bauer aber hatte sie gebannt. Wortlos legten sie ihre Bürde ab, aßen auf Geheiß des Bauern, von einer unsichtbaren Macht gezwungen, ein paar Bissen und schlichen dann davon.

*286. Der Teufl Hansl in Geretsberg war ein Hexenmeister. Er konnte Unglück im Stalle abwenden, wenn das Vieh verhext war oder die Butter sich nicht rühren ließ. Auch als einmal in einem Bauernhaus rote Läuse angezaubert waren, vertrieb er sie. Wenn er zu einem Kranken gerufen wurde, hatte er eine Messingkugel bei sich und es war, als ob er in ihr die Krankheit sähe.

*287. Der alte Hansrieder, ein Bauer auf einem einsamen Gehöft bei Feldkirchen i. I., hatte Zauberbücher und kannte geheim Künste. In der Mettennacht stand er alle Jahre an der Kreuzung zweier Totenwege im Kreis und erfuhr vom Teufel die Ereignisse des neuen Jahres. Er verstand das Anbannen. Einmal ließ er absichtlich die Haustür offen und versteckte sich. Richtig kamen Diebe. Er wartete, bis sie in der Stube waren, dann zeigte er sich und lud sie zum Sitzen ein. Als er dann Most brachte, konnten sie sich nicht rühren, er hatte sie angebannt. Bevor er sie losließ, wusch er ihnen die berußten Gesichter und wußte nun, wer sie waren. Ebenso bannte er einst Diebe, die den Hof verlassen glaubten und Getreide wegführten samt den Wagen fest. Einmal entdeckte die Magd am Morgen einen Dieb auf dem Apfelbaum und meldete es dem Hansrieder, er kümmerte sich nicht weiter darum, ließ aber den Dieb bis neun Uhr festsitzen. Ein andermal wurde ihm ein Ochse gestohlen und im nahen Wald angebunden. Hansrieder rief ihn beim Namen, der Ochs riß das Bäumchen um und kam heim. Eine junge Dirn, die zum Hansrieder gesagt hatte: „Kånnst e nix!“ bannte er bei der Heuarbeit fest. Einmal kamen auch Zigeuner und machten auf der Tenne zwischen den Öfen Feuer, ohne daß es das Stroh ringsum erfaßte. „Kunt åba dert brinnat wern!“ meinte Hansrieder und trug in einer Reiter Wasser herbei. Da sahen die Zigeuner, daß er mehr konnte als sie und machten sich davon.
Einmal kamen Dienstboten über ein Zauberbuch Hansrieders, ohne es zu erkennen, und lasen darin, da füllte sich die Stube mit Mäusen. Wie der Bauer in die Stube trat, las er sogleich das Buch zurück und die Mäuse verschwanden. Der Hansrieder war sehr reich, mauerte aber seine Schätze im hause ein. Sein Sohn stieß zwar einmal auf die Kiste, es gelang ihm aber nicht, sie zu bergen. Auch sonst konnte der Hansrieder allerlei. Einer Frau, der eine Halskette gestohlen worden war, versprach er, sie wieder zu bringen, wenn sie die Kette nicht über Wasser getragen hätten. Nach ein paar Tagen war die Halskette wirklich da.
Nahe dem Bauernhaus steht eine 1759 eingeweihte Kapelle. Während des Baues war fortwährend eine Kröte neben oder, wie es auch heißt, im Werkzeugkorb des Zimmermannes und ließ sich nicht wegbringen. Erst als die Kapelle eingeweiht wurde, verschwand die Kröte.
In alten Tagen soll der Hansrieder die Schwarzkünste aufgegeben haben. Die Dirne mußte die Bücher verbrennen, sie flogen ihr aber wieder brennend ins Gesicht zurück, erst als er sie selbst ins Feuer warf, verbrannten sie.

288. Der alte Klammbauer in Riedl bei Kirchschlag kannte geheime Künste. Einmal wurden ihm drei Ferkel gestohlen. Er tat aber ganz gleichgiltig. Nach einiger Zeit befahl er, für das Saustechen Wasser zu sieden und befahl den Knechten, aus dem Stall die Schweine zu holen. Die Knechte waren verwundert, da sie ja wußten, daß der Stall leer war. Als sie aber hinkamen, waren drei fette Schweine darinnen. Der Bauer hatte gewartet, bis die Diebe die Schweine fettgefüttert hatten und sie dann erst gezwungen, sie zurückzubringen. Denn er verstand sich auf das „Bringenlassen“. Auch das „Wetterkehren“ verstand er. Als sie einst beim Heueinführen waren, stieg ein schweres Wetter auf und der Knecht hatte schon Sorge. Der Bauer aber steckte sein Messer in die Wiese, die Schneide der Richtung des Wetters zugekehrt. Ringsum ging das Wetter los, der Knecht brachte aber das Heu trocken heim. Bei der letzten Fuhr befahl der Bauer dem Knecht, das Messer aus der Wiese zu ziehen. Kaum war dies geschehen, regnete es auch auf dem Grunde des Klammbauern.
Über sein Zauberbuch kam einmal ein Hirtenjunge und bekam die Stube voll Krähen, gerade kam aber der Bauer heim, las die Beschwörungen zurück und die Krähen verschwanden.

289. Vor langer Zeit hatte ein Besitzer der Saumühle in Kollerschlag um sein Haus einen Kreis gezogen, in dem er jeden der hineintrat, beliebig bannen konnte. Einen Bauernburschen ertappte er beim Fensterln und bannte ihn fest, so daß er zum Gespött der Vorbeikommenden bis zum Vormittag auf der Leiter stehen mußte. Einmal brachen in einer Samstagnacht Diebe ein. Der Müller ließ sie gewähren und bannte sie erst fest, als sie mit Beute beladen schon aus dem hause waren, und ließ sie bis zum Morgen stehen, so daß sie von den Kirchengängern gesehen wurden.
Seine Künste führte der Saumüller mit Hilfe eines Schwarzbuches aus. Als er einmal zur Mette gegangen war, kam der Müllerjunge über das Buch und las darin. Plötzlich hatte er schwarze Vögel um sich und konnte sich nicht helfen. Der Müller fühlte aber in der Kirche eine innere Unruhe, eilte vor Schluß des Gottesdienstes heim und las das Buch, soweit der Junge gekommen war, wieder zurück.

290. Der Bart zu Igling, Pfarre Taufkirchen, war ein verwegener Mensch übermenschlicher Stärke. Er hatte viele Mordtaten auf dem Gewissen. Wenn er in ein Haus kam und rief: „Ich bin der Bart zu Igling“, zitterte alles. Wiederholt war er schon gefangen genommen und gefesselt fortgeführt worden. Aber immer gelang es ihm, abzuspringen und den grünen Wasen zu berühren, sogleich war er dann unsichtbar. Schließlich ließ sich sein Schwager zum Verrat bereden. Er lockte ihn auf einen Steg und als sie in der Mitte waren, sprangen von beiden Ufern Häscher herzu. Bart konnte nun nicht mehr aus, er wurde gefangen und gerichtet.

*291. Als einst in Leonfelden Freitanz war, kam der Bäckertoni ohne Tänzerin. Er wurde darüber geneckt, ging hinaus und kam bald darauf mit einem Mädchen herein, das drei Stunden weit weg in der Süßmühle daheim war. Das war so zugegangen: Sie war schon im Bett, aber der Jägertoni, ein Freund des Bäckertoni, klopfte sie heraus. Sie warf den Kittel um und ging hinaus. Weil der Toni jedoch nicht bis zur Dachtraufe ging, ging sie darüber hinaus. Da trug er sie aber auch schon als Bock pfeilschnell durch die Lüfte am Hochgericht vorbei, wo es von feurigen Männern wimmelte, zum Wirtshaus in Leonfelden. Die Wirtstochter gab ihr die nötigen Kleider, nach dem Tanz kam sie auf dem gleichen Weg wieder zurück.

292. Beim Jagerl in Moos in Waldzell raubten Zigeuner einen vierjährigen Knaben. Er wuchs in der Zigeunerbande auf. Mit ungefähr vierzehn Jahren kam er mit den Zigeunern, die Pferde handelten, nach Ried. Er hörte von zwei Bauern den Namen „Wieser und erinnerte sich, daß er als Kind oft zu einem Wieser hinübergelaufen sei. Die beiden Bauern halfen ihm, so daß er entlaufen konnte und daheim erkannten sie ihn an einem Mal.
Später wurde er selber der Jagerl in Moos und stand im Ruf einer großen Zauberkunst. Einst übernachteten Zigeuner in seinem Stadel und machten ein großes Feuer an, ohne daß das Stroh umher und die herabhängenden Spinnweben Feuer fingen. Der Jagerl trug aber in einer Reiter Wasser herbei und löschte das Feuer. Er konnte also mehr als sie.
Einer Frau fiel einmal an einem Festtage die einzige Kuh im Stall um. Voll Angst lief sie zum Jagerl um Hilfe; als sie die Tür aufmachte, hatte er ihr den Rücken zugewendet und las in einem großen Buch. Er konnte sie nicht gesehen haben, aber ohne sich umzudrehen, sagte er: „Geh nur wieder heim, die Kuh ist schon wieder gesund.“ Und so war es auch.

293. Ein Nachbar des Zauberers Jagl bekam im Daumen den Beißer, der Arzt konnte nicht helfen. Den Rat aber der Freunde, zum Jagerl zu gehen, wollte er nicht befolgen, weil er mit ihm verfeindet war. Schließlich zwang ihn aber doch der Schmerz dazu. Der Zauberer ließ ihn zwei Stunden in der Stube sitzen, ohne mit ihm ein Wort zu sprechen. Als aber der Nachbar vor Schmerzen laut aufstöhnte, erbarmte er sich und sagte: „Heute Nacht wirst du noch viel leiden müssen, aber komm morgen wieder, dann will ich dich heilen.“ Am nächsten Morgen ging der Nachbar zum Jagerl, mit einemmal war die Krankheit wie weggeblasen.

*294. Jagl wurde von den Herren von Pernstein ergriffen und in den Erker gebracht, der am weitesten vom Schlosse hinausragt. Am anderen Morgen aber war er verschwunden. Man wußte aber, daß der Jagl oft mit einem Mädchen aus der Nähe zusammenkam, und bestach sie. Sie entlockte ihm auch wirklich sein Geheimnis: Er hatte einen Zaubergürtel um, der ihn beim Sprung in die Tiefe beschützt hatte. Bald darauf wurde der Jagl wieder eingebracht, man brachte ihn auf denselben Erker, nahm ihm aber dieses Mal den Gürtel. Abermals versuchte er zu entspringen, kam aber zerschmettert unten an. Den Gürtel und Teile der Kleidung bewahrte man im Schlosse auf. Nach einer anderen Überlieferung entkam der Jagl doch noch, wurde aber bald darauf im Salzburgischen ergriffen und hingerichtet.

*295. Georg Kahberger, ein Spießgeselle Jagls, ließ einmal ein volles großes Weinfaß durch neun Krebse den Kirchhamerberg hinaufführen.

296. Ein gefürchteter Räuber im Mühlviertel war der Drucker Franzl, denn er war hieb- und kugelfest. In Böhmen soll er schließlich mit einer Glaskugel erschossen worden sein, eine andere hätte ihn nicht getroffen.

*297. Ein Weber ging mit Waren bepackt von Neuhofen nach Steyr. In hart kam ein Knabe zu ihm, nannte ihn beim Namen und fragte ihn um seine Geschäfte. Der Weber war über die mannbaren Reden des Knaben erstaunt und fragte ihn, wer er sei. Da „verstaltete sich“ der Knabe in Mannesgröße und sagte: „Ich bin der Diener Hansl!“ Der Weber erschrak, daß er es mit dem berüchtigten Räuberhauptmann zu tun hatte und bat ihn, er möge ihn verschonen. „Dir soll nichts geschehen! Gehe nur hin, wo du willst!“ sagte der Räuberhauptmann und verschwand im Walde.

*298. Einmal wurde ein reueloser Verbrecher gehenkt, viele Zuschauer waren zugegen, drohend rief er ihnen zu: „Wårt’s ös, i will mi heut scho noh an enk rächn!“ Während er am Galgen starb, steig ein furchtbares Wetter auf, nur die zunächst wohnten, konnten noch die Häuser erreichen, alles Getreide, selbst das junge Obst und Gras wurde in den Boden geschlagen.

299. Vom Anbinden oder Angfrern war einst viel die Rede. Zauberkundige Leute bannten besonders Diebe und fahrendes Gespann an den Platz.
Beschien einen angebundenen Dieb, ehe er erlöst wurde, die aufgehende Sonne, so blieb von ihm nur ein Häufchen Asche zurück und er war auf ewig verloren. Besonders Fuhrleute kannten aber mancherlei Gegenzauber gegen das Anbinden.

*300. Um 1860 verstanden ein Wagner in Pabneukirchen und ein Rauchfangkehrer in Schwertberg das Anbinden.

*301. Auch ein Pfarrer von Feldkirchen i. I. verstand sich aufs Anbannen. Als einst Diebe einen Wagen volluden, konnten sie nicht wegfahren und mußten die Sachen wieder abladen.

302. Ein Wirt aus der Haslacher Gegend fuhr mit einer Ladung Bier von Linz heim, dabei überraschte ihn die Nacht und er mußte in der Finsternis durch das Toiflhölzl bei Haslach. Plötzlich blieben die Pferde stehen und waren nicht mehr zum Weiterbringen. Erst am Morgen war der Bann vorbei und der Fuhrmann konnte heim.

*303. Ein Schmied in Steinerkirchen i. Tr. konnte die Fuhrleute anbinden. Eines Tages kam ein besonders stolzer Fuhrmann vorbei. Der Schmied sagte: „Wirst auch heute nicht mehr gar weit fahren mit deiner Kraxe!“ Der Geneckte antwortete: „Zu dir komme ich nicht, daß du mir helfen sollst!“ Am nahen Berg blieb er aber angebunden stecken und kam nicht los. Er mußte zum Schmied zurück und ihn bitten, den Bann zu lösen.

*304. Vor mehr als hundert Jahren konnte ein Bauer in der Eferdinger Gegend durch ein Zauberbuch den Leuten verschiedene Bosheiten antun. Er nahm den Pferden die Kraft, übertrug sie auf sich, so daß er bei einer Rauferei jedes Wirtshaus ausräumte. Auch das Anbannen verstand er. Mit seinen beiden Nachbarn wettete er einmal, daß er später fortfahren und doch früher in Brandstatt sein werde. Die zwei fuhren schon um zwei Uhr früh fort, am Frahamerberg kamen sie auf einmal nicht weiter. Der Bauer, der erst um sechs Uhr vom Haus abfuhr, kam an ihnen vorbei, ohne ein Wort zu sagen. Erst dreiviertel Stunden später gingen die Pferde wieder. Längst war der Bauer schon in Brandstatt.

*305. In Steinhaus bannte ein Dachdecker vom Hausdach herab einen Fuhrmann fest. Gutmütig verlangte der, weitergelassen zu werden. Als ihn aber der andere vom Dach herab auch noch verspottete, schlug er mit einem Stein die erste – oder wie es auch heißt, die siebente oder neunte – Speiche aus dem linken Hinterrad. Im selben Augenblick fiel sich der Dachdecker zu Tode.

306. Als der Ottnanger Kirchenturm gebaut wurde und sich rundherum das Gerüst befand, kam ein Fuhrmann vorbei. Ein Maurer auf dem Gerüst band ihn an. Der Fuhrmann hatte sich aber vom Wagner in eine Radspeiche ein Kreuz einbrennen lassen und rief zum Gerüst hinauf: „Maurer, spiel dich nicht, ich habe was bei mir!“ Der Maurer glaubte es nicht und hörte auch nicht auf eine zweite Mahnung. Da ergriff der Fuhrmann ein Beil und schlug die Speiche mit dem eingebrannten Kreuz durch. Sofort fiel der Maurer vom Gerüst herab und war auf der Stelle tot.

307. Vor hundert Jahren fuhren von den Kohlengruben im Hausruck schwer beladene Wagen mit Kohle nach Gmunden, als Rückfracht hatten sie häufig Salz. Gerne rasteten die Fuhrleute beim Hagerwirt in Attnang. Einmal hielt auch wieder solch ein Fuhrmann Rast, als er aber weiter wollte, war der Wagen angebannt. Er vermutete den Banner unter den Anwesenden und bat in der Wirtsstube, man solle ihn doch fahren lassen. Als auch eine zweite Bitte und eine angefügte Drohung nichts half, nahm er das Handbeil vom Wagen und schlug die mit einem Kreuz versehene Speiche des rechten Vorderrades durch. Dies war immer die erste Speiche, die der Wagner einfügte. Der Fuhrmann konnte sogleich weiter, in der Wirtsstube lag aber ein wandernder Handwerksbursche mit gespaltenen Bein am Boden. Der alte Spruch hatte sich bewahrheitet:

Bann ohne Not
Bringt Beinbruch und Tod.

*308. Ein Fuhrmann rastete mit seinem schwer beladenen Wagen in einem Wirtshaus, in dem gerade eine große Bauernhochzeit gehalten wurde. Als er wieder anspannen wollte, brachte er die sonst gutmütigen Pferde nicht an den Wagen. Weil er erkannte, daß es ihm jemand angetan hatte, ging er hinauf in die Tanzstube und bat, wer es getan habe solle von diesem frevelhaften Tun ablassen, damit es kein Unglück gebe. Er wurde aber ausgelacht. Erzürnt nahm er nun eine Hacke, auf der neun Kreuze und neun Halbmonde eingraviert waren, aus dem Wagen, murmelte einen Spruch und schlug dabei eine bestimmte Speiche am rechten Vorderrades durch. Der Bann war gelöst, unter den tanzenden Hochzeitern stürzte aber einer zusammen, er hatte den rechten Fuß gebrochen.

309. Ein Fuhrmann fuhr von einer Tanzunterhaltung in Prägarten heim, an der Stelle des heutigen Friedhofes blieb aber der Wagen stehen, obwohl die Pferde mit aller Muskelkraft anzogen. Der Fuhrmann konnte erst weiter, als er eine Radspeiche abgeschlagen hatte. Am Tanzboden brach sich zur selben Zeit ein Mann den Fuß.

310. Während des Jahrmarktes in Lambach blieb ein Schwerfuhrwerk mitten unter den Leuten plötzlich stehen, alles Antreiben half nichts. Der Fuhrmann nahm das an der Wagenkippe hängende Handbeil und schlug die ihm zunächst befindliche Speiche des vorderen Wagenrades entzwei. In der Menschenmenge ertönte ein Aufschrei und ein alter Mann stürzte mit gebrochenem Bein zusammen. Der Zauber war gelöst.

*311. Ein Wirtshausgast in Enns bannte einst einen Wagen, den vier prächtige Pferde vorbeizogen, an. Der Kutscher schlug aber mit einer Hacke eine Speiche ab. Im selben Augenblick lag der Banner mit gebrochenen Rippen auf dem Boden.

312. Beim Kellerwirt in Aurach war eine Hochzeit. Ein Bierführer, der hier abgeladen hatte, konnte nicht mehr wegfahren. Er ging in die Wirtsstube hinein und drohte dreimal: „Laßt mich weg, sonst wird’s nicht recht!“ Als dies aber nicht half, stach er mit seinem Messer in das Kummetgeschirr des Rosses und konnte nun wegfahren. In der Stube aber fiel in demselben Augenblick ein Binder mit einer Todeswunde an der Gurgel zusammen.

*313. Ähnlich wurde ein Bauer mit einer Holzkohlenfuhre vor einem Wirtshaus bei Kleinraming festgehalten, in dem eine lustige Tanzunterhaltung stattfand. Als alles nichts half, stieß der Bauer ein Messer in das Kummet des Handpferdes. Am Tanzboden schrie einer getroffen auf, es war der, der es dem Bauern angetan hatte. Das Fuhrwerk konnte aber nun leicht wegfahren.

314. In Kremsmünster wurde ein Fuhrmann von einem Mann angebunden. Umsonst schlug er mit der Peitsche und schwang sie in Kreuzform. Da nahm er einen Kotzen, wischte damit die Pferde ab, warf ihn dann auf den Boden und schlug auf ihn los. Da schrie der Anbinder von den Schlägen getroffen laut auf.

315. Einst wurde einem Knecht das Ochsengespann angebannt. Niemand war in der Nähe als ein altes Weib. Der Knecht nahm sein Besteck aus der Tasche, in die Messerklinge waren neun Kreuze und neun Monde eingeschmiedet. Er stieß die Gabel, die aus demselben Stahl war, einem Ochsen in die Weiche. Laut schreiend lief die Hexe davon, das Gespann aber ging wieder weiter.

316. Vor etwa 100 Jahren fuhr ein Fuhrmann mit zwei Pferden über den Lärchbaumberg. Plötzlich konnte er nicht vor und zurück. Er vermutete Arges und ging auf die Schnitter auf einem nahen Feld zu: „Ihr lieben Leut, ihr habt mir was angetan laßt mich ziehen!“ Der Bauer versicherte: „Wir håbn dir nix åntån!“ Er wußte nicht, daß es der Knecht getan hatte. Beruhigt ging der Fuhrmann zum Wagen, aber alle Peitschenhiebe halfen nichts. Nochmals ging er hin und bat, ihn loszulassen. Aber niemand konnte ihm helfen, denn auch der junge Knecht verstand nur das Anbinden, nicht aber das Lösen. Da ging der Fuhrmann zum Wagen, nahm seinen Kittel und bearbeitete ihn mit der Peitsche. Die Hiebe trafen den Knecht, der sich schreiend auf dem Boden wälzte. Der Bann aber war gebrochen. Der Knecht machte nie mehr Gebrauch von seiner Schwarzkunst.

317. Vor dem Anbinden war man geschützt, wenn man zuerst das linke Vorderrad, dann das linke Hinterrad und zuletzt das zweite Vorderrad schmierte.

318. Die Kunst des Angfrerns übten einst besonders Räuber. Irgendwo an einer einsamen Wegstelle machten sie einen Kreis und sagten dabei ein Zaubersprüchlein. Wer nun den Kreis berührte oder hineintrat, war angebannt und konnte sich nicht rühren. Der Räuber kam aus seinem Versteck und raubte ihn aus. Dann ließ er ihn wieder frei.

319. Vor Zeiten lebten Zauberer, die Zauberstecken hatten, die waren eine Elle lang und hatten an der Spitze einen faustgroßen goldenen Knopf. Schwangen sie den Stock dreimal, so konnten sie dadurch ein ganzes Heer angfrern.

320. Ein Bauer in St. Peter am Wimberg besaß drei Nägel von einem Totensarg; wenn er die auf sein Schwarzbuch legte und dazu eine Zauberformel sprach, konnte er Leute angfrern. So bannte er einmal zwei Räuber fest, die in sein Haus gedrungen waren und sich als Nachbarn entpuppten.

*321. An das Haus eines Mühlviertler Bauern, der das Angfrern konnte, klopften einst spät abends 15 Diebe und gaben sich als Getreidehändler aus. Der Bauer, der sich nicht täuschen ließ, schickte alle Hausleute schlafen. Dann ließ er die Diebe ein. Er setzte ihnen einen Brotlaib vor, statt des Messers gab er ihnen einen Bartwisch, und fragte, was sie wollten. Sie konnten sich aber weder „rühren noch reiben“. Endlich löste der Bauer den Bann und ließ sie in verkehrter Ordnung wieder aus dem Haus.

322. Zu einem Bauer in Kimpling kamen in der Mettennacht Räuber. Er machte ihnen auf, lud sie ein, beim Tisch Platz zu nehmen und gab ihnen zu trinken. Währenddessen bannte er sie fest, bis die Hausleute heimkamen. Dann sagte er: „Ihr seid im Namen des Bösen hergegangen, geht in Gottes Namen hin!“

*323. Der alte Kirchberger in Schlatt bei Gallspach verstand sich aufs Anbinden. Einmal wollte ein Schuster bei ihm Birnen stehlen. Er aber band ihn an, daß er sich nicht von der Stelle rühren konnte und am Morgen mit einem Sack voll Birnen entdeckt wurde.

324. Vor 90 Jahren wohnte an der Eist ein Bauer, der rings um sein Haus gute Äpfel hatte. Abends ging er um das Haus und den Obstgarten im Kreis herum; wer diesen Kreis betrat, war angfrert. Zufällig geriet ein Mann hinein und blieb von neun Uhr abends bis drei Uhr früh angebannt.

*325. Ein Meister verstand es, sich vor Diebstahl zu schützen. Täglich ging er in seinem Besitztum umher und murmelte eigentümliche Worte. In der Tat mußte der Dieb stehen bleiben, bis der Eigentümer kam. Wer aber rücklings ging, dem konnte die Beschwörung nicht schaden.

326. Ein Bauer in Leonding bannte mit Hilfe des Teufels nächtliche Diebe, die auf seinen Grund kamen. Löste er noch vor Sonnenaufgang den Bann, waren sie gerettet. Tat er es aber nicht, so waren sie dem Tode verfallen.

*327. In Weißkirchen stiegen zwei Diebe nachts in einen Bauernhof ein. Weil der Bauer aber das Bannkraut hatte, konnten sie nicht mehr von der Stelle und wurden gefangen.
Das Bannkraut wächst auch heute noch, niemand kennt es aber mehr.

*328. Zwei Brüder gingen an einem Rübenacker vorbei. Den einen kam die Luft an, er stieg über den Zaun und zog sich ein paar Rüben aus. Der Bauer sah es von seinem Hof aus, bannte ihn fest und kam mit einem Prügel heran. Auf den Rat seines Bruders schlüpft der Bursche aus den Schuhen, ließ sie zurück und sprang über den Zaun. So entging er den Schlägen, die Rüben waren aber teuer bezahlt.

329. Der Ellbogner in Bergen, Pfarre Kleinmünchen, konnte jeden Dieb angfrern, nur mußte er ihn vor Sonnenaufgang wieder lossprechen. Einmal hatte er wieder einen Dieb erwischt und glaubte ihn schon zu haben. Der Mann aber hatte Holzschuhe an und konnte herausschlüpfen, nur die Schuhe blieben angfrert zurück.

*330. Der alte Hiesl z’Tanning bei Steinerkirchen i. T., dem öfter nachts Äpfel gestohlen wurden, band endlich eines Tages nach Sonnenuntergang durch einen Segen den Dieb an. Als er am nächsten Tag vor Sonnenaufgang hinausging, stand der Dieb unbeweglich mit dem Sack Äpfel da. Er löste ihn, erklärte aber, er wolle es kein zweites Mal tun und es auch keinem Kinde lehren. Denn geht die Sonne vor dem Ablösen auf, bleibt vom Angebundenen nur ein Häuflein Asche.

331. Ein Bauer bei Oftering bannte einmal einen nächtlichen Dieb am Felde fest, versäumte aber, ihn rechtzeitig loszulösen. Als er beim ersten Sonnenstrahl aufs Feld kam, fand er nur noch ein Häuflein Asche.

332. Einen alten Mann in Reith bei Wildshut hätte einer das Anbinden gelehrt. Er aber wollte nicht. „Då müßt i ålle Tåg meine Gründ åbgehn.“ Er hätte nämlich immer nachschauen müssen, ob ein Dieb angebunden sei, und ihn loslösen müssen, um ihn vor dem Teufel zu retten.

333. Der Graf z’Bux konnte das Anbinden. Einmal kamen zu ihm in der Mettennacht Geretsberg Bauern, um ihn auszurauben. Er ließ sie ein und hieß sie sich setzen, dann bannte er sie an und schüttete ihnen Geld auf den Tisch, sie aber konnten sich nicht rühren, während er ihnen die geschwärzten Gesichter abwusch. Ehe die Mette aus war, entließ er sie, damit sie sich nicht vor den heimkehrenden Mettenleuten schämen müßten. Auch Leute, die ihm einmal ein paar Säcke Korn forttrugen, bannte er an, bis er kam. Ein anderer hatte jemand den Denglhammer gestohlen, er aber sagte: „Er bringt’n scho wieda!“ und richtig lag der Hammer nach einiger Zeit auf dem Denglstock. Eines Morgens kam die Dirne voll Schreck in die Stube. „Bauer, heut Nåcht håms uns a Kuah gstohln!“ Der Bauer tat nicht viel dergleichen, beim Suppenessen aber sagte er zum Knecht: „Geh åbi ins Holz und såg eahm, er soll d’Kuah in an Bam ånbinden, er schåmt sie jå z’bitter, daß er’s auffa treibt!“
Einmal ging er nach Franking in die Kirche. Auf dem Felde fluchte einer gotteslästerlich, da band er ihn an und löste erst, als er von der Kirche zurückkam, den Zauber.

*334. Ein Bauer an der salzburgisch-oberösterreichischen Grenze konnte das Anbinden. Beim Schwärzen über die damalige Staatsgrenze kehrten sie einmal beim Kerblbräu in Straßwalchen ein, bevor sie weggingen, bat der Bauer die Bräuin, sein Eßzeug, das er in einer bestimmten Richtung hingelegt hatte, noch zwei Stunden liegen zu lassen. Während dieser Zeit konnten die Grenzüberreiter nicht vom Fleck und die Schwärzer kamen glücklich durch. Als die Bräuin nach zwei Stunden das Eßzeug wegnahm, war der Bann von den Grenzern genommen.
Einmal ließ der Bauer einen Handwerksburschen aufsitzen, als er eben Holz heimführte. Der Bursche wollte ihn aber zum Besten haben und warf ein Scheit nach dem anderen ab. Der Bauer tat, als ob er es nicht sehe, band ihn aber an den Wagen. Nach langem Bitten ließ ihn der Bauer los, er mußte aber die abgeworfenen Scheiter aufklauben und herzutragen.

335. Beim Hörzi in der Pfarre Kleinmünchen kann aus einem Zimmer nichts gestohlen werden, auch wenn die Tür offen steht. Einmal wurde nebenan das Krösengeld gestohlen, die Diebe kamen aber nicht über die Schwelle in das Zimmer, in dem reiche Beute gewesen wäre.
Auch ist beim Tor etwas vergraben, so daß das Haus nicht abbrennen kann. Wirklich hat es auch dort nie gebrannt.

336. Ein Kremsmünsterer Bauer fuhr einen Handwerksburschen, der sich ins Gras gelegt hatte, grob an, kam aber an den Unrechten. Der Bursche ging lächelnd davon, nachdem er den Bauer angebunden hatte. Das Gesinde lief ihm nach und bat ihn, den Bann zu lösen. Er aber befahl ihnen, den Bauer auszugraben. Sie hielten sich nicht dran und wollten ihn von der Stelle wegreißen, waren es aber nicht imstande. Erst als sie ihn wirklich ausgruben, war der Bann gelöst.

337. Am Tötenhengst in Kremsmünster sah ein Bursch durch das vergitterte Fenster auf die Straße und hänselte einen Vorübergehenden. Der bannte ihn aber an das Gitter und ließ ihm Hirschgeweihe wachsen.

*338. Einer Bäuerin in Steinwang wurde um 1870 die Schließenkette, die 50 fl. wert war, gestohlen. Der Seppl Hans in Vollen bei Tittmoning, der den Leuten helfen konnte, versprach, sie wieder zu bringen. In einigen Tagen steckte die Kette wirklich beim Heuabladen in einem Sprießling im Stadel. Die Kette ist noch heute im Familienbesitz.

339. Auch ein alter Mann in Irrlach bei St. Georgen an der Salzburgischen Grenze war ein Helfer und Anbinder. Einmal wurde ihm Leinwand gestohlen, er regte sich nicht auf und sagte nur „Bringans scho wieder!“ und so geschah es. Als er schon alt war, verweigerte er das Helfen. „I bin schon so ålt und dås Beichtgehn is dånn so lötz.“

*340. Ein Meister verschaffte seinen Dienstboten immer wieder ihr gestohlenes Eigentum, nannte aber nie einen Täter. Deshalb wurde er einmal sogar gefangen gesetzt, aber bald entlassen.

341. In Naarn verstand sich ein Schmiedknecht in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts auf allerlei Zauber. Oft legte er auf Straßen und Wegen Wurzeln. Wer darauf stieg, verirrte sich.
Einmal wurden in einem Bauernhaus drei Enten gestohlen, niemand wußte, wo sie hingekommen waren. Gerade ein Jahr nachher kam der Schmied zum Bauern und erfuhr von dem Diebstahl. Er übernachtete im Hause und sagte dann, er werde die Enten wieder bringen, nur dürften die Leute drei Tage nichts herschenken und keinen Zeug verleihen. Am dritten Tage waren die Bauersleute ins Heuen gegangen, ein kleines Mädchen war daheim und gab einem vermummten Bettelweib Brot, da konnte der Schmiedknecht nichts mehr machen.

*342. Ein Mann verstand die Kunst, verlaufene Tiere zurückzubringen, er brauchte dazu ein Messer mit neun Kreuzen und Monden. Einmal mißlang ihm die Kunst an einem Schwein, er entschuldigte sich, das Tier sei durch ein rinnendes Wasser gelaufen.

343. Ein Schuster in Oftering verstand sich aufs Wiederbringen. Er war beim Erdäpfelgraben und versteckte die Haue nach der Arbeit im Gebüsch, am nächsten Tag war sie aber gestohlen. Als er es daheim erzählte, wurde der Sohn recht zornig. Der Vater aber mahnte ihn, den Zorn zu lassen, sonst könne er die Haue nicht wieder bringen. Tatsächlich lag am nächsten Tag die Haue wieder im Gebüsch.

344. Dem Bartl in Oberwang wurde in der Nacht eine Schlittenkette gestohlen. Am Morgen sagte der Bauer: „Wir bekommen sie schon wieder.“ Um die nächste Mitternacht fragte jemand zum Kammerfenster herein, wo er die Kette hinlegen solle. „Laß sie nur liegen, ich hole sie schon in der Früh!“ war Bartls Antwort. Der draußen sagte noch „Gute Nacht!“

*345. Einem Bauer aus Eberstallzell wurde beim Welser Wochenmarkt im Wirtshaus die Brieftasche gestohlen. Eine Bäuerin, die das Bringenlassen verstand, versprach ihm Hilfe. Um Mitternacht erhob sich ein großer Sturm, als er sich legte, klopfte jemand an die Haustür. Nach einer Weile öffnete der Bauer, der Beutel lag draußen, es fehlte kein Heller.

*346. Einem anderen Bauer konnte nichts gestohlen werden. Wenn er vom Wochenmarkt heimfuhr, legte er die volle Brieftasche oder das Geldsackel offen in den Wagen, kehrte oft auf dem Wege ein und saß stundenlang im Wirtshaus. Nie kam ihm etwas weg.

*347. Ein armer Mann in der Gegend der Dreiländergrenze beim Dreisesselberg wurde bestohlen. Er bat den Bartl Sepp, der allerhand konnte, um Hilfe. Der Schwarzkünstler hatte Mitleid, nahm aus dem Mauerkastl ein dickes Buch, schlug eine bestimmte Seite auf. Er las anfangs langsam und machte dazu mit dem Zeigefinger Kreise auf den Tisch. Dann wurde er schneller und schneller und zog auch die kreise immer rascher. nach einer Weile hörte man einen Menschen erschöpft zum Hause keuchen. „Jaz bing i’s wieda“ rief eine Stimme. Der Bartl Sepp schloß das Buch und meinte: „Dås hätt i båld z’årg triebn!“ Der Bestohlene fand draußen vor dem Haustor sein zurückerstattetes Gut.

348. Einem Bauer in der Gschwend bei Geboltskirchen wurde ein ganzer Ballen Leinwand gestohlen, er las aber aus seinem Zauberbuch. Dann sagte er eine Beschwörung, nahm dabei ein Wagenrad und drehte es. Sogleich mußte sich der Dieb auf den Weg machen und die Leinwand zurückbringen. Je schneller der Bauer drehte, desto schneller mußte auch der Dieb laufen; am Schluß drehte er so rasch, daß die Leinwand zum Fenster hereinflog und der Dieb ohnmächtig vor der Haustür liegen blieb. Seither hat in dem Haus niemand mehr gestohlen.

*349. Ein Pfarrer in Steinerkirchen i. T., der schon lange, lange tot ist, verstand sich auf das Bringenlassen. Ein Weber in Erlach zog umher, man wußte nicht wo, und ließ daheim Weib und Kind im Elend. Die Frau klagte dem Pfarrer ihr Leid. Er versprach, den Mann noch am selben Tag zurückzubringen, sie solle ihm aber keine Vorwürfe machen. Der Weber war gerade draußen in Bayern in lustiger Gesellschaft. Plötzlich trieb es ihn, wie er später selbst erzählte, ins Freie, ohne daß er wußte warum. Ein Böcklein sprang ihm zwischen die Füße und trug ihn im Nu nach Steinerkirchen vor den Pfarrhof. Der Pfarrer schickte ihn sogleich heim zum Weib.

*350. Ein Bauer wollte wissen, wohin ein gestohlener Kübel Schmalz gekommen sei. Der Anbraucher, an den er sich wandte, lehnte eine Haberreitern an die Wand, nachdem er oben am Rande eine Schneiderschere hineingesteckt hatte. Hierauf betete er barhäuptig und ließ dann die Schere von einem Anwesenden beim auswärtigen Griff halten, ein zweiter mußte die verdächtigen Orte hernennen. Jedesmal sagte der Braucher: „Heiliger Petrus und Paulus, befindet sich das Schmalz an diesem Ort, so gehe, ist es aber allda nicht da, so stehe!“ Bei der Nennung des Diebeshauses kehrte sich die Reiter und abermals, als gefragt wurde, ob sich das Schmalz in einer Truhe befinde.